Es ist Freitagnachmittag in meiner Nürnberger Praxis. Der letzte Patient ist versorgt, das Team verabschiedet sich ins Wochenende, und ich packe den Koffer. Wieder ein Seminarwochenende, wieder Vorträge, wieder neue Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland. Und wieder, irgendwo zwischen Laptop, Unterlagen und Zahnbürste, dieser eine Gedanke: Wo ist eigentlich die Teilnahmebescheinigung vom letzten Kurs geblieben?
Seit 1998 bin ich Zahnarzt, Trainer und Referent und Mitglied des Lehrkörpers der Akademie Praxis und Wissenschaft. An rund zwanzig Wochenenden im Jahr stehen meine Kollegen und ich vor Zahnärztinnen und Zahnärzten: vor Ort in Nürnberg, online oder bei externen Veranstaltungen im ganzen Land. Ich kenne die zahnmedizinische Fortbildung also aus jeder Perspektive: als Behandler, der sein Wissen aktuell halten will. Als Referent, der es weitergibt. Und als Teilnehmer, der nach jedem Kurs dasselbe Ritual durchläuft.
Denn am Ende jeder Fortbildung steht ein Stück Papier. Eine Teilnahmebescheinigung, ein Zertifikat, ein Nachweis über Fortbildungspunkte. Diese Dokumente wandern in Aktenordner, in E-Mail-Postfächer, in Schubladen und viel zu oft in die Kategorie „Das sortiere ich später“. Im stressigen Praxisalltag, auf Reisen, zwischen Kursen und Vorträgen bleibt genau dafür nie Zeit. Und wenn dann der Nachweiszeitraum endet und die Kammer die gesammelten Punkte sehen will, beginnt die Suche. Ich habe dieses Spiel über Jahrzehnte mitgespielt und bei unzähligen Kolleginnen und Kollegen dasselbe beobachtet. Die Zettelwirtschaft rund um Fortbildungsnachweise ist kein Einzelfall. Sie ist der Normalzustand eines ganzen Berufsstandes.
Irgendwann habe ich aufgehört, mich darüber zu ärgern, und angefangen, mir eine andere Frage zu stellen: Warum ist das eigentlich so? Warum verwalten wir hochmoderne Praxen mit digitaler Diagnostik und digitalen Workflows, tragen unsere Fortbildungspunkte aber in Klarsichthüllen durchs Land? Wie lässt sich dieser unnötig komplizierte Prozess nicht nur verbessern, sondern grundlegend neu denken? Die Idee zu FobiDent entstand also nicht am Schreibtisch und nicht in einem Strategieworkshop. Sie entstand aus einem echten Problem des zahnärztlichen Alltags: meinem eigenen.
„Ich habe Hunderte Fortbildungen gehalten und noch mehr besucht. Und jedes Mal endete es mit demselben Papierstapel. Irgendwann wusste ich: Nicht wir müssen uns dem System anpassen. Das System muss sich uns anpassen.“
Je länger ich an dieser Idee arbeitete, desto klarer wurde: Es geht um mehr als um Verwaltung. Der Fortbildungsmarkt in der Zahnmedizin wächst seit Jahren kontinuierlich. Immer mehr Kurse, immer mehr Anbieter, immer mehr Formate: Präsenz, online, hybrid. Was auf den ersten Blick nach Vielfalt aussieht, wird für die Einzelne und den Einzelnen schnell unübersichtlich. Die entscheidenden Fragen kann heute kaum jemand verlässlich beantworten: Wo finde ich in diesem riesigen Angebot wirklich gute Fortbildungen? Welche Kurse halten, was sie versprechen? Und welche Referenten vermitteln Wissen, das ich am Montag direkt am Behandlungsstuhl anwenden kann?
Aus diesem Gedanken ist mehr geworden als eine digitale Punkteverwaltung. Mit FobiDent entsteht zugleich das erste deutsche Ratingportal für zahnmedizinische Referenten, Kurse und Fortbildungsgesellschaften. Zahnärztinnen und Zahnärzte sollen transparent erkennen können, welche Kurse besonders gut bewertet werden, wer die praxisnahesten Referenten sind und welche Anbieter echten Mehrwert bieten. Die Bewertungen werden mithilfe moderner Technologie anonymisiert, digital und möglichst unmittelbar verfügbar gemacht: ehrliche Orientierung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen. Und das Ganze so einfach zugänglich, wie es sein sollte: als App, live in den App Stores.
Meine Vision ist klar: Fortbildung soll nicht länger mit Papierchaos, Unsicherheit und fehlender Transparenz verbunden sein. Wer sich fortbildet, investiert in seine Patienten, in seine Praxis und in seinen Beruf und verdient dafür Werkzeuge, die diesen Einsatz respektieren. FobiDent verbindet digitale Verwaltung, Orientierung, Transparenz und Qualität auf einer gemeinsamen Plattform. Es ist mein Beitrag zu einer zahnmedizinischen Fortbildung, die endlich so modern ist wie die Zahnmedizin selbst.
Der Koffer für das nächste Seminarwochenende steht übrigens schon bereit. Nur eines hat sich verändert: Die Zertifikate reisen jetzt digital.

